Deliquentes Verhalten von Berufsschüler/innen

Ergebnisse einer Befragung

Berufsschulen sind keinesfalls als übermäßig delinquenzbelastet einzustufen. Vorfälle wie Gewalt- und Eigentumsdelikte ereignen sich innerhalb der Schule im Vergleich mit anderen Schulformen am seltensten. Zugleich handelt es sich bei den Berufsschülern aber um eine Altersgruppe, die durchaus delinquentes Verhalten ausführt; meist dann aber außerhalb der Schule.

 

In vielerlei Hinsicht auffällig erweisen sich die Schüler des Berufsvorbereitungs- bzw. -grundbildungsjahrs. Sie begehen deutlich häufiger Gewalt- und Eigentumsdeliktein und außerhalbder Schule, sie schwänzen häufiger als Schüler anderer Schulzweige bzw. anderer Schulformen die Schule und sie führen auch häufiger Waffen mit sich, wenn sie das Zuhause verlassen. Insofern handelt es sich bei dieser Gruppe um Schüler mit erhöhtem Präventions-und Interventionsbedarf. Diese Schüler haben häufiger als Schüler anderer Schulzweige der Berufsschule an Gewaltpräventionsmaßnahmen teilgenommen.

Ein Grundproblem, das sich insbesondere mit Schulzweigen wie dem BVJ/BGJ verbindet ist die Zusammenballung problembelasteter Jugendlicher, der mit Prävention nur schwer gegengesteuert werden kann. Es scheint damit kein sinnvoller Weg zu sein, eigene Zweige oder Orte für problembelastete Jugendliche zu schaffen. Stattdessen sollte vielmehr auf eine Durchmischung mit weniger belasteten Jugendlichen gesetzt werden. Wie eine solche Integration der BVJ/BGJ-Schüler an Berufsschulen gelingen kann, muss in kreativen Modellprojekten ausgelotet werden.

Einen weiteren Anknüpfungspunktfür die Präventionsarbeit an Berufsschulen bilden die Befunde zur Interventionsbereitschaft der Lehrkräfte. Erstens konnte diesbezüglich gezeigt werden, dass an Berufsschulen die Bereitschaft der Lehrer, bei Konflikten konsequent dazwischenzugehen, weit niedriger ausgebildet zu sein scheint als an Schulen der Sekundarstufe. Zweitens ergeben sich deutliche Zusammenhänge zwischen der Wahrnehmung einer solchen Bereitschaft und der eigenen Delinquenz; d.h. Schüler, die ihre Lehrer entsprechend einschätzen, begehen seltener Delikte - und das nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Schule. Intervenierende Lehrer verändern wahrscheinlich die Bewertungen, die Jugendliche verschiedenen delinquenten Verhaltensweisen entgegenbringen.

Übereine stärkere „Kultur des Hinschauens" könnten die Berufsschulen damit einen weiteren Beitrag zur Prävention delinquenten Verhaltens leisten. Dies würde zugleich auch dabei helfen, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Recht klar konnte durch die Befunde herausgestellt werden, dass Opfer- und Täterschaft in der Schule miteinander zusammenhängen.

Die gesamte Untersuchung ist in der Zeitschrift „Die berufsbildenden Schule“ veröffentlicht: Dirk Baier: Deliquentes Verhalten von Berufsschüler/innen innerhalb und außerhalb der Schule – Ergebnisse einer Befragung. BbSch, 62 (2010) 6

Quelle:  Die berufsbildenden Schule, 62 (2010) 6

Find buy kenalog online yourdrugstore.care.