Kaum Aussicht auf Beförderung

Drastischer Abbau von Funktionsstellen an Berufsschulen

Seit mehr als 20 Jahren arbeiteten Bildungsbehörde und GEW in Bremen gemeinsam daran, die Anzahl der Beförderungsstellen in den bremischen Berufsschulen drastisch zu senken.

Der Erfolg: Ein junger Kollege, der heute eine Stelle an einer bremischen Berufsschule antritt, hat vergleichsweise geringe Chancen, jemals eine Beförderung zu erleben. Das ist schlecht für das Ego, beeinträchtigt die Motivation und bedeutet im Schnitt einen Einkommensverlust von mindestens 50.000 Euro während der gesamten Dienstzeit.

Im Frühjahr 2010 wurde nun von der Bildungsbehörde ein Funktionsstellenraster vorgestellt und von der politischen Mehrheit unter der Führung der SPD gebilligt. Nach diesem Funktionsstellenraster sollen große Berufsschulen mit mehr als 100 Lehrkraften zukünftig 14 Funktionsstellen (= Beförderungsstellen) erhalten. Darin  enthalten sind auch die Schulleitungs- bzw. Abteilungsleiterstellen. Das ist ein bundesweiter Minusrekord. Es wurde weder auf die Funktionsfähigkeit der Berufsschulen Rücksicht genommen, noch eine Strategie der Personalentwicklung aufgestellt.

Im wesentlichen gibt es drei Gründe für diese Entwicklung:

    Das Land Bremen ist hoch verschuldet und zum extremen Sparen gezwungen.
    Die neueste Schulreform (Zwei-Säulen-Modell mit Oberschulen und Gymnasien) kostet zusätzliches Geld für Sachen und Personen.
    Die bremischen Sek-I-Lehrer/-innen sollen möglichst schnell in die Besoldungsgruppe A13 befördert werden.

Der bremische Berufsschullehrerverband VLBS hat zum Funktionsstellenraster ein Flugblatt veröffentlicht. Darin wird auf die sehr ungleiche Verteilung von Beförderungsstellen in den bremischen Schulformen hingewiesen und die Gründe dieser personalpolitischen Dummheit genannt.

Das VLBS-Flugblatt

  

und die GEW-Antwort

 

Das provozierte den Widerspruch der GEW. Unter der Tarnkappe Personalrat-Info wurde versucht,  die Fakten des VLBS-Flugblattes "richtig zu stellen". Die Autoren des PR-Infos verdrängen oder wissen nicht, dass das Eingangsamt an Grund- und Sek-I-Schulen bundesweit und auch in Bremen A12 ist. Wer mit A12 eingestellt wird muss befördert werden, um auf die Besoldungsstufe A13 zu gelangen. Für die GEW ist aber erst A13Z und mehr eine Beförderung. Auf die Dezimierung der Beförderungsstellen in den Berufsschulen gehen die Autoren selbstverständlich nicht ein.

Defizite im Personalrat Schulen

In Bremen gibt es keine Personalräte vor Ort an den Schulen, sondern einen Personalrat für alle Schulen: Grundschulen, Sek-I-Schulen, Gymnasien, Berufsschulen etc. Im Personalrat -Schulen gibt es daher eine starke Fraktion aus den allgemeinbildenden Schulen. Die GEW-Mehrheit vertritt vor allem die Interessen der Grundschulen, Gesamtschulen und Sek-I-Schulen. Aktive Personalräte aus Berufsschulen werden konsequent ausgegrenzt und nicht an der Vorstandsarbeit oder an den regelmäßigen Gesprächen mit der politischen Spitze der Bildungsbehörde beteiligt.  

Daher gab es vom Personalrat Schulen auch nie einen Protest gegen den radikalen Abbau von Beförderungsstellen in den Berufsschulen. Der Deal mit der Bildungspolitik war: Für jede Beförderungsstelle, die in den Berufsschulen verschwindet, gibt es ein oder zwei Beförderungen in den allgemeinbildenden Schulen.

Selbstverständlich ist es nicht verwerflich, wenn die GEW auch im Personalrat die Interessen ihrer Mitglieder berücksichtigt. Allerdings haben wohl einige Personalräte eine etwas eigenwillige Auffassung über die Aufgaben und den Sinn eines Personalrates. Nur so ist zu erklären, dass die GEW-Info under dem Label "PR-Info" herausgegeben wurde. Es hat im Personalrat-Schulen keine Aussprache oder Abstimmung über diese Info gegeben, sie wurde auch nicht angekündigt. Einige Personalräte haben erst nach der Verteilung der Info in den Schulen von dem Blatt erfahren.